Forschung

Aktuelle Entwicklungen und wissenschaftliche Schwerpunkte im Bereich HSP.

Die Forschung um die HSP befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Monatlich erscheinen zahlreiche neue Publikationen in medizinisch-wissenschaftlichen Zeitschriften.

HSP-Schweiz ist aktiv beteiligt: Für Auskünfte über laufende Studien wenden Sie sich bitte an unseren wissenschaftlichen Beirat Prof. Dr. med. Burgunder.

Genetische Ursachen & Diagnostik

Mittlerweile sind über 80 Genorte bekannt. Die Forschung zielt darauf ab, molekular-genetische Verfahren zu entwickeln, um Diagnosen schneller und präziser zu ermöglichen.

Die Suche nach der genetischen Störung

Lange war die unterliegende Genstörung unklar. Falls in einer Familie keine Assoziation mit einem bekannten Locus nachgewiesen werden kann, kann mit einer genetischen Kopplungsstudie oft ein neuer Locus identifiziert werden. Ziel ist der Aufbau eines "Gen-Chips", der die Untersuchung aller HSP-Mutationen in einem Schritt erlaubt.

Variationen im Krankheitsverlauf

Die Krankheit tritt als "reine Form" oder "komplexe Form" auf. Interessanterweise variiert der Verlauf selbst innerhalb derselben Familie stark. Die Forschung sucht intensiv nach Modifikator-Genen, die erklären, warum das Erkrankungsalter und die Schwere so verschieden ausfallen können.

Funktionsanalyse (z.B. Spastin)

Wissenschaftler untersuchen an Zell- und Tiermodellen die genaue Funktion mutierter Gene. So wurde entdeckt, dass Spastin (SPG4) massgeblich auf die Mikrotubuli einwirkt. Diese Erkenntnisse sind die Basis, um im Labor Mechanismen zur Wiederherstellung der Zellfunktion zu testen.

Therapeutische Studien

Gegenwärtig liegt der Fokus auf der Beeinflussung der Symptomatologie. Dank der Einteilung in homogene genetische Gruppen können Medikamente und physiotherapeutische Massnahmen zur Linderung der Spastik nun wissenschaftlich präziser überprüft werden.

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Erweiterte wissenschaftliche Dossiers

Ein detaillierter Einblick in den aktuellen Übergang von rein symptomatischer Behandlung hin zu präzisionsmedizinischen Ansätzen.

1. Durchbrüche in der Gentherapie (Fokus SPG4)

Die häufigste Form der HSP, SPG4 (verursacht durch Mutationen im SPAST-Gen), steht im Zentrum bahnbrechender internationaler Studien. Hierbei wird der innovative "Silence and Replace"-Ansatz erprobt: Das fehlerhafte Gen wird gezielt stummgeschaltet, während gleichzeitig eine gesunde Kopie des Gens in die Nervenzellen eingeschleust wird.

Ein technologischer Sprung gelang bei den Verabreichungsmethoden: Durch neu optimierte Vektoren (Capsid-Modifikationen) kann die Therapie in modernen präklinischen Modellen bereits intravenös verabreicht werden, was hochriskante chirurgische Eingriffe am zentralen Nervensystem in Zukunft überflüssig machen könnte. Diese Entwicklungen bereiten den Weg für erste klinische Studien am Menschen vor.

2. Innovative Gen-Pflaster (ASOs) & Wirkstoff-Repurposing

Neben der klassischen Gentherapie gewinnen sogenannte Antisense-Oligonukleotide (ASOs) massiv an Bedeutung. Diese molekularen „genetischen Pflaster“ greifen direkt in die laufende Proteinproduktion der Zelle ein. Sie korrigieren Ablesefehler der DNA und stabilisieren so die empfindlichen Axone (Nervenfortsätze) langfristig vor dem Abbau.

Parallel dazu läuft das sogenannte Wirkstoff-Repurposing (Medikamenten-Umidmung). Hierbei werden bereits für andere Erkrankungen zugelassene Substanzen systematisch auf HSP-Eigenschaften geprüft. Ein prominentes Beispiel ist der Wirkstoff Miglustat, der in aktuellen Studien speziell bei der komplexen Form SPG11 auf seine neuroprotektiven und zellschützenden Eigenschaften hin untersucht wird.

3. Hightech-Rehabilitation: Nicht-invasive Rückenmarkstimulation

Ein grosser und greifbarer Hoffnungsträger für die Verbesserung der alltäglichen Mobilität ist die transkutane Rückenmarkstimulation (tSCS). Bei diesem nicht-invasiven Verfahren werden feine elektrische Impulse über Spezialelektroden auf der Haut im Bereich der Lendenwirbelsäule abgegeben.

Klinische Studien untersuchen intensiv, wie diese Stimulation die neuronale Resonanz verändert. Erste Daten zeigen, dass die Methode die Gehgeschwindigkeit sowie die Ausdauer signifikant verbessern und die spastische Muskelsteifheit im Zusammenspiel mit dem neuen FRAME-Training (einem hochstrukturierten, wissenschaftlich evaluierten Kraft-, Balance- und Aerobicprogramm für HSP-Betroffene) spürbar reduzieren kann.

4. Hochpräzise Diagnostik mittels MRT-Spektroskopie

Um zukünftige Therapien exakt zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten, wurde die Bildgebung entscheidend verfeinert. Mittels moderner MRT-Spektroskopie ist es heute möglich, neurochemische Stoffwechselveränderungen direkt im Gehirn und Rückenmark von HSP-Patienten nicht-invasiv sichtbar zu machen.

Diese metabolischen Biomarker erlauben es den Ärzten, beginnende Entzündungsprozesse oder den schleichenden Verlust von Nervenverbindungen frühzeitig und objektiv zu messen – lange bevor sich die Symptome im Alltag verschlechtern. Gleichzeitig treiben globale Sequenzierungs-Initiativen die Aufklärung der verbleibenden kryptischen Fälle voran, sodass das Spektrum der exakt diagnostizierbaren Formen (SPG1 bis SPG85+) kontinuierlich wächst.

Wissenschaftliche Datenbank

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